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Tauch Tagebuch - Das SDM Logbuch

Unser Tagebuch/Logbuch ( fast so gut wie eine Webcam ) ist dafür da, damit Ihr mal seht "was wir sehen". Auch bei schlechten Sichten und starken Strömungen verliert die Isla Margarita und ihre Tauchgebiete nicht die Reize zum Tauchen. Es kommt auch immer auf die Führung und Grösse der Gruppe an. Man kann auch einen schlechten Tauchgang bei guter Sicht und wenig Strömung haben. Wichtig ist das Sehen und Entdecken von Details. Wir haben uns darauf spezialisiert!

Achtung! NEU!!! Eure eigene Fotoseite bei uns - hier klicken!

Tagebuch Eintrag vom SDM Team für 2010        alle Berichte 2006 hier klicken! alle Berichte 2007 hier klicken!  alle Berichte 2008 hier klicken!   alle Berichte 2009 hier klicken!

Online Bewertungen von unseren Gästen findet ihr hier:

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Durchschnitts-Bewertung 6/6 Flossen

Hier noch ein Erfahrungsbericht von einem Leser (welcher nicht genannt werden wollte, hahahahaaa).

Tauchen lernen mit Hindernissen!

„Ich habe das nun so oft mit dem Tauchen versucht, es geht halt nicht“, ist oftmals der Beginn schier endloser Diskussionen in  „Taucher - Mischehen“. Sie taucht, er nicht oder umgekehrt. Meist enden diese hitzigen Dispute mit dem Satz: …. Du stellst dich aber auch wirklich zu „blöd“ an.

Nachfolgende Zeilen sei all denjenigen gewidmet, denen eingeredet wird, dass sie zu dumm zum Tauchen seien, bzw. all denjenigen, die schon fast selbst daran glauben, aber auch den Anfängern, die von einer schier endlosen Odyssee aus „Pleiten, Pech und Pannen“ verfolgt werden.

 Nachdem ich Jahr für Jahr im Urlaub immer wieder die „verrückten“ Taucher beobachtet hatte, wie sie in sengender Sonne schwerstes Gerät über den Strand zum Boot schleppten, war irgendwann doch meine Neugierde geweckt. Ich wollte mir doch einmal persönlich zu Gemüte führen, was die Taucher da eigentlich so trieben.

 Meine ersten Schnorchelversuche überlebte ich nur, weil mich mein Tauchlehrer mit kräftigem Griff packt und als prustendes, japsendes Bündel Elend wieder senkrecht ins brusttiefe Wasser stellt. „Das ist ja Wahnsinn“ jammere ich, während ich keuchend  und würgend ganz erstaunliche Mengen Salzwasser ans Tageslicht befördere. Mein „Saufkumpan“ bleibt cool. „Du solltest halt anstatt durch die Nase durch Mund und Schnorchel atmen“, rät er mir. Schließlich hast du doch keine Kiemen. Der Mann hat gut reden. Er kann Schnorcheln, er kann Tauchen. Lauter Dinge, vor denen mir mehr graut als vor jedem Teufel, der mich geritten haben muss, als ich beschloss das Tauchen zu lernen.  

Und nun stehe ich hier, bis zur Brust im Salzwasser der Karibik. Ich bin halb erstickt, halb ertrunken und die Schleimhäute sind entzündet. Meine Hosen sind voll bis zum Bleigurt. Um mich Tölpel herum sehe ich zwei mehr oder weniger geschickt operierende Mittauchschüler, die mir behände um die Ohren Schnorcheln. Ein „Heiterer“ Urlaub, der mir da bevorsteht.

Noch zweimal spiele ich die Landratte, die noch nie zuvor den Schädel unter Wasser gesteckt hat. Ich werde zum Schluckspecht. Den Fisch (Barrakuda vom Grill), der auf dem Speisezettel für das Mittagessen steht, werde ich nicht mehr in meinen Magen unterbringen können. Mir fällt auf, der Wasserstand der Bucht sinkt. Habe ich schon so viel vom Meerwasser genippt? Noch eine halbe Stunde lang spiele ich mit dem Gedanken, Schnorchel, Taucherbrille und Flossen wegzuschmeißen und mir im Hotel einen gemütlichen Urlaub zu machen. Dann aber habe ich plötzlich doch noch den Dreh raus, wie ich unter Wasser durch die Taucherbrille äugen und gleichzeitig, ohne dass durch irgendeine Körperöffnung Wasser eindringt, Atem schöpfen kann. Schon hier in der Bucht tut sich meinen ungeübten Schnorchelaugen eine Wunderwelt voller bunter Fische auf. Ich staune Korallenklötze, bis ich merke, dass ich gar keinen Fischschwarm, sondern immer dieselben Exemplare bewundere – ich komme mit meinem ungeschickten Flossengeplansche ganz einfach nicht vom Fleck.

Der  Tauchschülertag besteht aus zwei Lektionen im Wasser und einer im Trockenen. Nachdem ich die erste Unterrichtsstunde japsend beim Schnorcheln in brusttiefem Wasser verbracht habe, lässt uns der Tauchlehrer in der zweiten Lektion an die Flaschen. Das klingt nach einem gemütlichen Beisammensein. In der Tauchersprache bedeutet „an die Flaschen gelassen werden“ aber nichts anderes, als dass der Tauchlehrling die Erlaubnis erhält, unter dem Gewicht der Pressluftflasche gnädigst ins 28 Grad heiße Wasser der Karibik zu torkeln, jenem von mir immer wieder bewunderten Ritual der Taucher. In meiner privaten Erinnerung reihe ich diesen Vorgang unter der Rubrik „Naturkatastrophen“ ein.

Irgendwie hat Mutter Natur es fertig gebracht, dass das Gummistück des so genannten Lungenautomaten bei mir einen Brechreiz auslöst, sobald ich es in den Münd führe. Auf mehr als 5 Lungenautomatenmundstücke muss ich beißen, bis ich an ein Exemplar gerate, was nicht zum K ……. ist.

Dann der erste Tauchgang an der Flasche. Widerstandsgefühle, den Kopf so einfach unters Wasser zu tauchen und dem Meer auf den Grund zu gehen. Verblüffung darüber, dass es trotzdem klappt, Furcht davor, irrtümlicherweise doch durch die Nase einzuatmen und zu ertrinken. Mit der Zeit legen sich meine Ängste. Freude am Schweben macht sich breit. Leider macht sich auch einer der anderen Tauchschüler breit. Ohne es zu merken, haut mir der Tauchklassenkamerad mit seiner linken Flosse gleich mehrfach das Mundstück aus den Zähnen. Bis ich im immer noch brusttiefen Wasser auf die Beine gekommen bin, habe ich keinen Durst mehr.

Maske ausblasen!

Wir üben das Ausblasen der mit Wasser gefüllten Tauchermaske. Dieser Übungsteil wird doch noch irgendwie überlebt, zumal mir auch immer wieder versichert wird, wie wichtig dies sei, bis ich es auch selber glaube. Außerdem kann ein anderer Taucher auch 3m unter dem Wasser mal zuschlagen und nicht das Mundstück treffen, sondern die Maske. Eine leichte Übung stellt die Wechselatmung dar – zwei Taucher verpflegen sich abwechselnd aus demselben Mundstück. Wichtig, für den Fall, dass einem der Tauchkameraden die Luft ausgeht. Denn bei einer Versorgungspanne mit angehaltenem Atem wie eine Rakete nach oben zu zischen, ist der falsche Weg zum Überleben.

Der zweite Tag

Am zweiten Ausbildungstag behängt man uns ABC-Taucher zusätzlich zu Flasche und Lungenautomat mit Bleigurt und Tarierweste. Letzteres ist eine Art aufblasbare Schwimmweste. Per Knopfdruck wird entweder Luft in die Weste gepresst oder aus dieser entfernt. Für mich sind Westen nichts Neues. Deshalb freunde ich mich mit meinem Exemplar schnell an. Er ist mir Garant dafür, dass ich nicht absaufe, wenn ich nicht will. Beim Programmpunkt Druckausgleich erweist sich mein bereits in jungen Jahren in der Körpermitte fettgeschädigter Leib zumindest einem Exemplar aus unserer Tauchklasse überlegen. Ein Tauchkamerad vermag den Druckausgleich nicht herzustellen, was bedeutet: Er kann nicht mehr weiterlernen. Ich verschlafe die wohl einzige Gelegenheit, meinen Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen – denn niemandem, der aus gesundheitlichen Gründen das Tauchen aufgeben muss, ist man böse. Ich hätte mit ihm an der Bar noch viele tolle Stunden erleben können.

Wer oder was mich geritten hat weiterzumachen ist mir bis heute nicht ganz klar. Vielleicht war es auch der Geiz, denn der Tauchkurs war ja schon bezahlt. Unsere nun dezimierte Tauchklasse dümpelt auf der Innenseite der Bucht in drei bis sechs Meter Tiefe. Dunkelblau und unheilvoll düster droht dort der Rachen des Meeres mit unablässigem Gähnen. Neptun sei Dank spielt sich unser Tauchkurs nicht dort draußen ab, denke ich mir. Zu früh gefreut, - „Heute schwimmen wir zum Außenriff“ verkündet der Tauchlehrer zu Beginn der Lektion. Alle mir nach. Mein Herz hämmert wie ein Geigerzähler in Tschnobyl und plumpst unter den Bleigurt. Ich stelle mich hinten an, werde aber letztendlich wie ein quengelndes Kind am Arm des Tauchlehrers gegen die Strömung auf den Schlund zu gezerrt. Die anderen im Gänsemarsch – sichtlich tapferer als ich  - hinterher. Durch Schwärme bunter Fische schleppt man mich wie einen Kartoffelsack hinter sich her in die Tiefe. So etwas Schönes habe ich noch nie zuvor gesehen. Ich traue mich kaum den Arm loszulassen. Jede Sekunde fürchte ich, durch irgendeine geheimnisvolle Kraft in die Tiefe oder ins Meer hinaus auf Nimmerwiedersehen abgetrieben zu werden. Trotzdem bin ich ganz zufrieden mit mir. Schließlich bin ich ja Nichttaucher.

Am Abend, beim gemütlichen Beisammensein an der Bar verkündet der Tauchlehrer: Morgen tauchen wir vom Boot aus. Erst spät an diesem Abend wird mir schlagartig bewusst was das heißt: Ich muss ins offene Meer springen. Ich, die Landratte, die  - wenn überhaupt – immer nur langsam und bedächtig ins Wasser geht um möglichst lange trocken zu bleiben.

Der dritte Tag

Grauen packt den Taucher von der traurigen Gestalt am Morgen, doch der Kapitän des Boots gibt Vollgas. Und es kommt noch schlimmer: Was ist das, es ist nicht grün, es ist nicht gelb und doch ist es die Farbe in meinem Gesicht. Schon kurz darauf werden die Fische „gefüttert“. Mir ist hundeelend und an einen Tauchgang ist gar nicht zu denken. Ich lege die Tauchflasche wieder ab und warte verzweifelt darauf, dass endlich der letzte Taucher wieder an Bord kommt. Ich will zurück, ich muss vom Boot, ich bin seekrank.  Doch wie heißt es so schön, die Zeit heilt alle Wunden.

Schon am nächsten Morgen sitze ich zwischen dem traurigen Rest unserer Tauchschulgruppe und beobachte mit zusammengekniffenen Augen den Horizont. Bald heißt es: Maske, Lungenautomaten und Flasche festhalten – verflixt, so viel Arme hab ich ja gar nicht. Mit einem Schritt ins Nichts geht es in das tiefgrüne Blau. Unter Wasser ist die Angst wie weggeblasen. Der Rausch dieses einmaligen Schwebegefühls packt mich – und lässt mich auch nicht wieder los.

Bevor ich diese Weihen innerer Ruhe und Versunkenheit genießen darf,  muss allerdings die härteste Prüfung über mich ergehen lassen, die einer eingefleischten Landratte wie mir zuteil werden kann.

Man will mich an einem Ort im Meer „versenken“, wo der Leiter der Tauchschule das Vorhandensein von Barrakudas in rauen Mengen garantiert. Das kommt mir vor, als wenn der Koch seinen Gästen den Tod garantiert. Der Tauchlehrer und alle anderen Taucher beteuern zwar zum tausedundeinten Mal, dass der Mensch nicht ins Beuteschema dieser Tiere passt. Aber – wissen das auch die Barrakudas? Und … erfahre ich es nicht viel zu spät, falls sie es nicht wissen?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Sie wussten es! Festgeklammert an einen Stein widerstehe ich der starken Unterwasserströmung und lasse beherzt meinen Blick schweifen. Da, ein Barrakuda, zwei, drei. Am Schluss sind es acht, glaube ich, Zwei - bis Drei Meter Brocken, die vor unserer Tauchschulgruppe hin und her gleiten. Neugierig und friedlich. Überraschenderweise fühle ich mich durch keines der Tiere auch nur im geringsten bedroht.

Als ich vor der Abreise vom Tauchlehrer mein erstes Logbuch erhalte, fehlt dort zwar die Eintragung über den Stand meiner Tauchkünste, jedoch sind sieben Tauchgänge vermerkt. Unter Bemerkungen steht: Barrakudas, Muränen, Kofferfische und viel Kleinvieh.

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